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DIN EN 1090: ANTWORTEN AUF DIE WICHTIGSTEN FRAGEN ZUR NEUEN NORMUNG

Autor: Denis Roth
Letzte Änderung: 03.05.2012
Spekuliert wurde schon lange, nun ist es amtlich: der ständige Ausschuss für Bauwesen (StAB) in Brüssel hat die Koexistenzphase der deutschen Regelwerke und der europäischen Norm DIN EN 1090-1 bis zum 1. Juli 2014 verlängert. Dies verschafft allen betroffenen Betrieben die nötige Zeit und bietet die Möglichkeit, sich auf die Veränderungen vorzubereiten. Mit der neuen Norm wird die CE-Kennzeichnung nun rechtsverbindlich auch für tragende Bauwerke und Bauteile aus Stahl und Aluminium eingeführt. Die rechtsverbindliche Einführung in Deutschland für die CE-Kennzeichnung von Bauprodukten wird zwischen dem 17. Juni 2012 und dem 1. Juli 2014 liegen.
 
Wichtigste Neuerung gerade für kleinere Betriebe in den neuen Ausführungsklassen 1 und 2 (EXC1 und EXC2) ist die Forderung, die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) zertifizieren zu lassen. Die Zertifizierung erfolgt durch eine notifizierte Stelle und ist Basis für die Vergabe des CE-Zeichens der Bauprodukte. Damit sind sogar Betriebe angesprochen, die bislang in der Herstellerqualifikation Klasse A nach DIN 18800-7 tätig waren und somit keine Betriebszertifizierung brauchten.
 
Bernd Stiefel und Norman Röw von der Abteilung Qualitätssicherung der SLV Saarbrücken beantworten die drängendsten Fragen kleinerer und mittlerer Handwerksunternehmen in Bezug auf die neue Normung.
 
Ich verarbeite nur S235, z.B. für Geländer. Bin ich auch betroffen?
„Ja. Alle tragenden Konstruktionen, die als Bauprodukte definiert sind, sind von der Regelung betroffen. Bauprodukte sind alle Produkte, die dauerhaft in Bauwerke des Hoch- und Tiefbaus eingebaut werden. Damit fallen also auch Geländer in den Geltungsbereich der Norm."
 
Sind Balkone aus S355 in die Ausführungsklasse 1 einzustufen?
„Aufgrund des Werkstoffs (S355) ist die Konstruktion mindestens in Ausführungsklasse 2 einzustufen."
 
Wo liegen die Grenzen zwischen EXC1 und EXC2?
„Es gibt Gründe, die auch einfache Konstruktionen in die EXC2 eingruppieren, wie beispielsweise der Werkstoff S355, dynamische Beanspruchung, Baustellenschweißungen, Rohrfachwerke. Jede Konstruktion erfordert eine eigene Bewertung."
 
Was muss in der WPK dokumentiert sein?
„Alles, was Einfluss auf die Qualität des Produktes hat. Dies sind zum Beispiel Schweißerzeugnisse, Schweißanweisungen,  Materialzeugnisse, durchgeführte Kontrollen."
 
Was muss außer der WPK zertifiziert sein?
„Die Schweißtechnik und dazu die Bemessung, Korrosionsschutz und mechanische Verbindungen, je nachdem, was der Betrieb davon ausführt.
 
Brauche ich Werkszeugnisse?
„Für alle eingesetzten Konstruktionsmaterialien (z.B. Bleche, Profile, Schrauben, Schweißzusatzwerkstoffe) sind Zeugnisse erforderlich."
 
Ändert sich etwas bei den Schweißerprüfungen?
„Nein. Die Schweißerprüfungen sind unabhängig von der Ausführungsklasse erforderlich. Gültige Schweißerprüfungen bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum weiterhin gültig."
 
Welche Anforderungen werden an die Schweißaufsicht gestellt?
„Die Anforderungen sind abhängig von: Ausführungsklasse, Festigkeit des Grundwerkstoffs und der Werkstoffdicke."
 
Wie gehe ich mit verschiedenen Projekten um, die mal im bauaufsichtlichen Bereich liegen und mal nicht?
„Aufgrund der Wirtschaftlichkeit und der durchgängigen Qualität empfehlen wir, beide Projekte gleich zu behandeln. Arbeiten in zwei Qualitäten ist Mitarbeitern und Kunden schwer zu vermitteln."
 
Welchen Zeitaufwand muss ich für den Aufbau einer zertifizierten WPK einkalkulieren?
Das ist schwer pauschal zu beantworten. Oft ist in den Betrieben schon mehr vorhanden als man denkt. Generell gilt: die Vorbereitung wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber mit guter Vorbereitung sollte die Aufrechterhaltung der WPK ein Kinderspiel sein!
 
Gibt es Seminare, die auf die Bedürfnisse von EXC1 und EXC2 ausgerichtet sind?
Wir führen alle 3 Monate ein 2-tägiges Seminar bei uns in der SLV Saarbrücken zu dem Thema durch. Bei entsprechender Nachfrage könnten wir ein 1-tägiges Kompaktseminar anbieten.



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